Die Entwicklung des Einkochens

Napoleon als Pate für das Einkochen: Konservieren für die Truppenversorgung

Die Erfindung und Verbreitung des Einkochens geht vor allem auch auf die Initiative von Napoleon Bonapartes zurück. Der setzte 12.000 Goldfrancs für die Entdeckung eines Konservierverfahrens aus, dass eine bessere und einfachere Versorgung seiner Truppen ermöglichen sollte. Nicolas Appert gewann diesen Preis, der ihm 1810 ausbezahlt wurde. Er hatte entdeckt, dass Lebensmittel durch Erhitzen in geschlossenen Behältern auf 100 Grad haltbar gemacht werden.

Als Bedingung für die Auszahlung und als Grundlage für die weitere Verbreitung der Methode musste Appert eine genaue Beschreibung seiner Abläufe in einem Buch zusammenfassen und dem zuständigen Minister 200 Exemplare übergeben. Appert erstellte damit die erste umfassende Einkochanleitung mit dem Titel: „Die Kunst, alle animalischen und vegetabilischen Substanzen, nämlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildbret, Fische, Zugemüse, Küchen- und Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, schon zum Genusse völlig bereiteten Kaffeh, Thee u.s.w., in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigentümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten.“



Einkochen wird Massenbewegung: Konservieren für den Winter und für Notzeiten

An der Ausbreitung des Einkochens hatte vor allem die Pfarrerstochter Henriette Davidis einen großen Anteil. Das von ihr verfasste und 1845 veröffentlichte „Praktische Kochbuch“ entwickelte sich zum Standardwerk seiner Zeit und ist auch heute noch gefragt. Das Einkochen wurde mit Ihrer Hilfe zur Massenbewegung. Eine zentrale Rolle spielte in dieser Zeit natürlich das Anlegen von Vorräten für den Winter oder als Sicherheit für Notzeiten.

Vereinfacht wurde der Einkochprozess durch die Erfindung des Gelsenkirchener Chemikers Dr. Rudolf Rempel. Er benutzte zum Einkochen Gläser, die er mit einem Gummiring und einem Blechdeckel verschloss. Anschließend beschwerte er das Ganze mit einem Stein oder Gewicht und kochte alles im Wasserbad. Er entwickelte einen Apparat, mit dem die Deckel unter Federdruck geschlossen gehalten wurden, patentierte seine Erfindung und baute einen Versand für die Gläser und Apparate auf. Unter den ersten Kunden befand sich Johann Weck. Dieser erwarb nach dem Tod von Dr. Rudolf Rempel das Geschäft und das Einkoch-Patent. Als überzeugter Vegetarier und Anti-Alkoholiker trat er mit seinen Produkten für eine gesunde Lebensweise ein. Zusammen mit Georg van Eyck gründete er am 01. Januar 1900 die Firma J.Weck u. Co. Van Eyck erkannte, dass es nicht ausreichte, nur Gläser zu verkaufen, sondern das es auch wichtig war, die Kunden durch praktische Vorführungen anzuleiten und so zu gewinnen. In der Folge wurde das Einkochequipment wie Gläser, Gummiringe oder Einkochapparate kontinuierlich verbessert. Dies führte dazu, dass bis zu Beginn des 2. Weltkrieges ca. 90% aller deutschen Haushalte einkochten.


Industrielle Versorgung und Konservieren durch Tiefkühlung: das vorläufige Ende eines Megatrends

Die ganzjährige Verfügbarkeit der Lebensmittel durch die industrielle Herstellung und den weltweiten Handel sowie die Verbreitung der Tiefkühlung ab den 1950er Jahren haben zu einem starken Rückgang des Einkochens geführt.


Die Neuentdeckung: Marmelade, Chutney's und Leckereien

Einkochen wird derzeit von immer mehr Menschen wiederentdeckt. Allerdings haben sich die Beweggründe hierfür komplett verändert. Heute wird nicht mehr für Notzeiten vorgesorgt, sondern z.B. Überhänge aus der eigenen Gartenernte zu Marmeladen, Chutney's und besonderen Leckereien verarbeitet.

 

Die Zukunft: Eigenes Essen ohne Kühlung und industrielle Zusätze clever verfügbar machen

Einkochen ist die clevere und einfache Methode, selbstgekochtes Essen ohne Kühlung und frei von industriellen Zusätzen verfügbar zu machen. Mit Einkochen ist das eigene Mittagessen, der Kuchen für den Kindergeburtstag oder das Essen für den unangekündigten Besuch immer verfügbar, auch wenn gerade keine Zeit zum Kochen oder Backen ist. Das macht die Zeitplanung flexibel und ist der großen Vorteil des Einkochens in der heutigen Zeit.


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Kommentare: 1
  • #1

    Tilmann Steinert (Donnerstag, 21 Juli 2016 10:37)

    Ich habe keinen Kommentar, sondern eine Frage: Als Kind hat mich ein Einwecktopf mit einem Bild sehr beschäftigt; auf einem Einwecktopf war ein Teufel dargestellt, der eine Hand auf einen Einwecktopf gelegt hatte. Auf diesem Topf war wieder ein Bild von einem (kleineren) Teufel, der wiederum seine Hand auf einen Einwecktopf gelegt hat - mit einem noch kleineren Bidl von einem Teufel usw. usw. Nun suche ich nach einem Bild von diesem Topf.
    Kann mir da jemand helfen? tilmann_steinert@freenet.de